November 10, 2022
Neues Leben für Deine alte Kleidung

Alisa, Co-Founderin vom A-Gain Guide, erklärt Dir im Interview wie Du ihren Guide nutzen kannst um Textilien zu retten und wie sie auf die Idee zur Plattform kam.

Alisa, Co-Founderin vom A-Gain Guide, erklärt Dir im Interview wie Du ihren Guide nutzen kannst um Textilien zu retten und wie sie auf die Idee zur Plattform kam.

Alisa Hager, Co-Founderin vom A-Gain-Guide

Jana: Liebe Alisa, was sind das für Orte, die im A-Gain Guide aufgelistet sind?

Alisa: Das sind alles Orte, die dabei helfen, den Kleidungsstücken, die wir schon im Kleiderschrank haben, ein längeres Leben zu schenken und gebrauchte Kleidung wieder in den städtischen Kreislauf zu führen. Angefangen von Änderungsschneidereien über Upcycling-Designer*innen bis hin zu Materiallagern. Alles Initiativen,die dabei helfen, dass wir unsere Kleidung nicht wegschmeissen, sondern in einer sinnvollen Art und Weise wiederverwenden.

Jana: Kostet dieser Service etwas?

Alisa: Nein. Der A-Gain Guide ist völlig kostenlos. Gerade weil wir viele Leute erst einmal mit diesem Thema in Berührung bringen und nicht abschrecken wollen. Und sowieso ist es ein Non-Profit Projekt. So ist es angelegt und so soll es in Zukunft auch weiter geführt werden.

Jana: Super. Und warum findest Du ist es wichtig so einen Guide anzubieten?

Alisa: Dafür sprechen ganz viele Gründe. Weltweit ist es der Klimawandel, der mittlerweile schon viele, jedoch vielleicht nicht genug Menschen, in Bezug auf den Umgang mit unserer Kleidung zum Denken anregt. Die Modeindustrie ist momentan einer der größten Umweltsünder und steht damit an vierter Stelle der umweltschädlichen Industrien weltweit. Das wissen viele nicht. Das Thema ist lokal sowie global essentiell und muss auf allen Ebenen angegangen werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass Mode, so wie wir sie kennen, konsumieren und wie wir mit ihr umgehen für Mensch und Umwelt schädlich ist. Unsere Plattform hilft auf lokaler Ebene weiter aufzuklären und dann auch auf dieser direkte Lösungen anzubieten. Wir lassen den Nutzer nicht mit der Info allein stehen: “Hey, das ist ein Problem”, sondern zeigen ihm/ihr einen individuellen Lösungsweg auf, der ihnen dabei hilft einen positiven Beitrag zu leisten. Dafür gibt es weitere Funktionen, an denen wir gerade arbeiten. Einen Smart-Guide, der den Nutzer an die Hand nimmt. Nutzt er/sie diesen, dann bekommt er/sie einen individuellen Lösungsvorschlag zu seinen/ihren Kleidungsstücken angeboten, für die er/sie eine passende ‘Reuse-Lösung’ sucht. Ganz persönlich finde ich den Guide wichtig, um den Menschen Möglichkeiten aufzuzeigen, welchen sie sich vorher noch nicht bewusst waren. Lokal betrachtet, ist es die Frage, wie wir die vorhandenen Ressourcen effizient nutzen können, wie bestehende Service-Angebote und Materialien. Zudem besteht auch einfach noch keine ausreichende Infrastruktur.

fast fashion
Die Textilindustrie schadet Mensch und Umwelt

Jana: Das ist ja spannend. Ich sag auch ganz gern in meinen Kursen: “Am nachhaltigsten ist es nicht neu zu kaufen.” Und das fördert ihr, indem ihr sagt: ”Probier doch mal etwas Kreatives aus mit Deinen aussortierten Sachen.”

Alisa: Genau. Ganz persönlich: Ich habe meinen Kleiderschrank, da habe ich immer ein paar Sachen, die ich ganz aktuell gern trage. Und dann habe ich den Kleiderschrank, der zum Austauschen meines aktuellen Kleiderschranks dient. Dort habe ich meine ganzen Lieblings Kleidungsstücke drin, die sind teilweise schon über zehn Jahre in meinem Besitz. Dann habe ich immer wieder das Gefühl von: “Ach, das habe ich jetzt länger nicht gesehen, jetzt habe ich wieder Lust drauf.” So mache ich das ganz persönlich, dass ich immer wieder ein bisschen switche und dadurch auch ein “Entdecken” da ist. Um dieses Entdecken geht es.

Jana: Was ist Dein Hintergrund und wann hast Du angefangen Dich mit Nachhaltigkeit in Bezug auf Textilien zu beschäftigen?

Alisa: Ich hab mich schon als kleines Kind ganz stark mit meiner Umwelt und auch mit dem Müll, der um mich herum auf Straßen lag beschäftigt. Das hat mich schon sehr früh sehr bewegt und mich auch nie losgelassen. Ich habe dann recht schnell gewusst, dass ich Mode studieren möchte. Wusste aber nicht, was ich damit machen will. Ich hatte nie als klares Ziel die Modeindustrie, sondern der Reiz war das Gestalterische. Mode habe ich an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin studiert. Dort wurde ich mit dem Thema Nachhaltigkeit sehr früh konfrontiert. Es gab speziell eine Professorin, die das immer vertreten hat. Dadurch war das Thema da und es gab immer wieder Projekte. Da habe ich angefangen mich ganz speziell mit diesem Thema in Bezug auf Mode zu beschäftigen. In meinem Master habe ich unter anderem alte Gardinen in Kleidungsstücke umgewandelt. Doch dabei habe ich auch gemerkt, dass ich noch weiter gehen muss um zu verstehen was die langfristige Lösung sein kann. Ich wurde noch aus dem rein gestalterischen Ansatz gelehrt eine Kollektion anzugehen und nicht aus dem Ansatz: Was haben wir an Material und was können wir daraus machen. Dieser Ansatz hat damals noch etwas gefehlt.

Ich habe hier und da versucht und gemerkt woran es noch fehlt und dann bin ich erstmal in der Kunst gelandet. Für mich lagen immer schon Kunst und Mode, also die gestalterischen Bereiche, ganz nah beieinander. Ich bin durchs Zeichnen und Malen zur Mode gekommen. Danach habe ich für einen Künstler gearbeitet und für ihn Recycling-Projekte umgesetzt. Ich habe speziell das Weben mit den Materialien, die der Künstler benutzt, eingeführt. Das war eine ganz tolle Erfahrung! Dann habe ich kurze Zeit in der Modeindustrie gearbeitet bei einem Label, welches den Fair Wear Leader Status innehält, Doch auch dort habe ich erkannt, dass innerhalb der Modeindustrie noch so viel mehr verändert werden muss. So hat mich mein weiterer Weg in die Selbstständigkeit geführt und nun mache ich den A-Gain Guide. Ich hoffe auf diesem Weg ein Teil der Lösung sein und andere Herangehensweisen aufzeigen zu können.

Jana: Also hat Dich Dein Weg zu dieser Idee mit dem A-Gain Guide geführt?

Alisa: Ja, genau. Das Arbeiten in der Industrie hat mir einmal mehr die Augen für das Problem geöffnet. Ich konnte einfach nicht nachvollziehen, warum wir noch mehr von etwas brauchen, an dem wir regelrecht schon “ersticken”. Es wurde mir immer bewusster, dass wir bereits viele wertvolle Ressourcen haben, diese jedoch nicht effizient nutzen, um schlussendlich andere Ressourcen zu schonen. Es fehlt uns in diesem Bereich vor allem an Daten. Der A-Gain Guide soll auch dazu beitragen, dass die Datenlage übersichtlicher und transparenter wird. Wie viel gebrauchte Kleidung gibt es im Umlauf? Was passiert mit ihr? Warum wird mehr gekauft, als tatsächlich gebraucht wird? Und so weiter. Das ganze erst einmal zu ergründen und zu verstehen, darum geht es uns auch beim A-Gain Guide und mit dieser Information verantwortlich und nachhaltig umzugehen. Die Ressourcen sinnvoll zu nutzen, alles besser zu vernetzen. Die Services zu schätzen, die jahrelang schon ihren Service anbieten. Diese auch sichtbar zu machen und zu zeigen: Hey, mit ein wenig Reparatur kann dein Kleidungsstück schon wieder länger leben. Laut Studie: 9 Monate längere Lebensdauer gleich 20-30% weniger Umweltverschmutzung. Das fand ich so überzeugend. Das muss man doch schaffen. Also wir alle.

Jana: Ich habe auch früher schon intuitiv so gearbeitet, dass ich immer erst geguckt habe, was habe ich, das ich verwenden kann. Ich hatte früher mal eine Art Stoffladen und dafür damals auch schon Überhänge (Material, das Designer oder Stoffhersteller zu viel haben) eingekauft und es kamen auch immer Leute, die mir Stoffe verkauft oder geschenkt haben. Also habe ich immer gemerkt, es ist so viel Material da. Wenn ich dann eine Idee hatte, habe ich in meinem Kopf schon meine Liste an Sachen durchgespielt, die ich hab. Das wurde in meinem Modestudium noch nicht gelehrt. Aber als Studentin hatte ich auch wenig Geld und so habe ich geguckt, was es sonst noch gibt. Das ist ein wirklich schöner Ansatz.

Alisa: Ja und ein ganz natürlicher. Ich war auch schon immer so als kleines Kind. Ich habe immer ungern weggeschmissen. Auch wirklich mit dem Gedanken:

Daraus kann ich noch was machen.

Jana: Ich hab auch immer beim Basteln in der Schule die Reste alle mit nach Hause gebracht und meine Mutter war auch nicht so ganz erfreut darüber. Aber: Da kann man noch was draus machen.

Alisa: Und ich hab wirklich so viel wiederverwendet.

Jana: Ja, klasse.

Alisa: Es war einfach immer da, diese Herangehensweise, wie bei Dir. Es ist wie ein ganz tief verinnerlichter Grundsatz.

Alisa und Jana beim Interview
Alisa und ich haben Spaß beim Interview

Jana: Und was würdest Du Dir wünschen für den A-Gain Guide?

Alisa: Dass unsere Idee Aufmerksamkeit erfährt, dass die Leute unsere Map und Guide nutzen und Freude daran haben diese Funktionen zu nutzen. Dass wir den A-Gain Guide replizieren können, so dass er auch in anderen Städten implementiert und etabliert wird. Das wäre toll! Dass unser Wirkungspotential natürlich wächst und inspiriert. Dass Funktionen dazukommen.

Jana: Was wäre Dein Tipp für jemanden, der gerade erst anfängt sich mit nachhaltigem Modekonsum zu beschäftigen? Wie kann er oder sie den A-Gain Guide nutzen?

Alisa: Erstmal den eigenen Kleiderschrank anschauen und gucken, was habe ich das letzte halbe Jahr nicht einmal angehabt. Und sich diese Teile einfach mal vornehmen und überlegen: Hänge ich an diesem Kleidungsstück? Werde ich es im nächsten halben Jahr überhaupt anziehen? Sich erstmal über den eigenen Konsum, auch mit Hilfe des Guides, bewusst werden. Sich also mit diesen Teilen an den A-Gain Guide setzen, um zu schauen, ob sie da eine Lösung für den weiteren Gebrauch für ihre Kleidung, die sie nicht mehr haben möchten,finden. Einfach mal stöbern und probieren.

Jana: Eine Lösung wäre einen Ort zu finden, wo man die Kleidung spenden kann?

Alisa: Zum Beispiel. Einfach mal den Kleiderschrank durchgehen, vielleicht ein zwei Teile rausnehmen, wo du weisst, die können weg…

Jana: …und vielleicht kann jemand damit noch was anfangen.

Alisa: Vielleicht hast Du nie gewusst wohin damit und/oder das Angebot war einfach zu unübersichtlich. Einfach mal den A-Gain Guide öffnen und schauen, was wir anbieten. Man kann nach Kategorien filtern und sobald der Guide dann auch fertig ist, gibt es speziell auch diesen interaktiven Fragebogen, wo Du durchgeleitet wirst, anhand des Kleidungsstücks, für das du eine Lösung suchst. Dann kriegst Du individuelle Lösungsvorschläge, auf die Du vielleicht allein nicht gekommen wärst.

Jana: Wo kann man den Again-Guide finden?

Alisa: Hier: www.a-gain.guide

Und auf Instagram: a__gain__guide Zwei Mal zwei Unterstriche, es gab Gründe dafür :)

Jana: An wen richtet sich der A-Gain Guide?

Alisa: Wir möchten natürlich die jungen aber auch die älteren Menschen ansprechen. Am besten so viele wie möglich. Ansprechend ist die Webseite und das Angebot vielleicht für die Menschen vor allem zwischen 15 und 50, doch hoffentlich für alle! Aber ich merke gerade bei der Jugend, dass sie sehr offen für dieses Thema sind. Mich freut das total. Ich hoffe, dass wir mit dieser Plattform diese junge Generation unterstützen können, handeln um sich in diesem Thema noch besser.

Jana: Gibt es sonst noch etwas, dass Du mit uns teilen möchtest?

Alisa: Ich kann nur dazu aufrufen, den A-Gain Guide zu nutzen und diesen einfach mal auszuprobieren. Am besten mit Nachsichtigkeit, denn wir sind gerade noch im Aufbau. Es ist alles noch ganz neu. Und wenn es Fragen und Anmerkungen oder Tipps gibt, freuen wir uns auch total, wenn ihr uns schreibt. Dafür haben wir ein offenes Ohr und versuchen alles so gut wie nur möglich zu berücksichtigen oder auch zu antworten. Wie gesagt, es ist noch ein bisschen Trial and Error gerade, doch es geht Stück für Stück voran.

Jana: Den A-Gain Guide gibt es noch nicht lang, oder?

Alisa: Genau. Wir hatten einen Re-Launch zur Fashion Week im September 2021 und der Launch kommt zur nächsten Fashion Week jetzt im März 2022. Es wird in diesem Rahmen auch ein Event geben. Also bleibt gern up to date. Das könnt ihr tun, indem ihr uns zum Beispiel auf Instagram folgt: a__gain__guide.

Jana: Super! Alisa, vielen lieben Dank für das Interview. Und ganz viel Erfolg bei dem großen Launch und mit dem A-Gain Guide und für Dich natürlich auch Alles Gute!

Jana Reiche

Fashion Designerin| Textilretterin | Networkerin
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